Big Data in Deutschland – ein Sturm im Wasserglas?

Morgen findet in Berlin ein Big Data Summit von der IHK Berlin und der Bitkom statt. Wir haben dies zum Anlass genommen, uns die Kommunikation der letzten 6 Monate um das Thema „Big Data“ in Deutschland mit unserer Social Media Monitoring 2.0 Herangehensweise einmal genauer anzuschauen. Hier die Kurzauswertung aus  knapp 6.000 Beiträgen.

Welche Big-Data Trends haben wir gefunden?

  1. Outsourcing der Rechenzentren und Unternehmensdaten an große Infrastrukturanbieter, die analytischen Mehrwert durch die Datenhaltung und -analyse versprechen (Big Data zu Smart Data)
  2. Fokus ist die innere Binnenstruktur des Unternehmens, nicht die Nutzung externer Daten
  3. Deutschland liegt in digitalen Trends, z. B. Digitale Transformation und Big Data zurück, Datenschutz als Innovationsbremse, z.B. im Gesundheitswesen

Trendidentifizierung

Um aus Big Data Smart Data zu machen, haben wir die 6.000 Beiträge mit den Themenvorlieben unserer 36 Standardpersonas verglichen und zwei Personas identifizieren können, die sich besonders stark für das Thema Big Data interessieren:

  1. Persona Karriere aus der Domäne Glück
  2. Persona Kapitalmarkt aus der Domäne Geld

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Aus den für die beiden Personas zentralen Beiträgen, haben wir folgende Trends herausgearbeitet. Am Ende des Beitrags können Sie sich auch die Exzerptzusammenfassung als „Tischvorlage“ herunterladen.

Outsourcing der Unternehmensdaten

Große und kleine Anbieter, IBM, SAP, Intel bieten unterschiedliche Lösungen an, um Unternehmen ihre aufwändige Datenhaltung abzunehmen und zusätzlich noch durch Big Data Analysen aus Kunden-, Produktions- oder Verwaltungensdaten smarte Daten zu generieren. Die Diskussion bleibt dabei auf der Oberfläche, konkrete Umsetzungsbeispiele oder Merhwerte werden kaum genannt, die Beiträge konzentrieren sich auf die Beschreibung der Infrastruktur.

 Dies reflektiert unseren Fokus, den wir auf die digitale Transformation und Hybrid IT Management legen«, sagt Conway Kosi, Head of Managed Infrastructure Services EMEIA bei Fujitsu. »Unsere Rechenzentrums- und Infrastruktur-Services unterstützen nicht nur kritische Geschäftsanwendungen unserer Kunden, sondern spielen auch eine Rolle dabei, wenn es um Wachstum mit Hilfe einer möglichst ausbalancierten, robusten und schnellen IT-Umgebung geht.
www.speicherguide.de

Machine Learning spielt nicht nur im Security-Bereich eine immer größere Rolle, es unterstützt auch dort, wo „intellektuelle Fließbandarbeiten“ den Berufsalltag trüben. Beispiel Posteingangsklassifikation – also die Verteilung der Post in Unternehmen: Heute passiert sie oft noch manuell, in Zukunft wird sie dank semantischer Inhaltsanalyse verstärkt automatisiert über die Bühne gehen.
www.futurezone.at

Liz Conner, Research Manager Storage bei IDC, begründet die im Sinkflug begriffenen Absatzzahlen wie folgt: „Unternehmen setzen bei der technischen Runderneuerung ihrer Infrastrukturen mehr und mehr auf Software-defined Storage und Cloud-Speicher. Infolgedessen investieren sie verstärkt in serverbasierte Storage-Lösungen und Hyperscale-Plattformen, statt in klassische Enterprise-Systeme.“
www.storage-insider.de

Neben der allgemeinen technischen Infrastruktur stehen zudem die Themen Sicherheit und Software as a Service (SaaS) im Fokus.

 Wertschöpfung für das Geschäft kann nur mit kontinuierlichen Investitionen in die drei Säulen des Datenmanagements erreicht werden: Big-Data-Integration, Big-Data-Qualität und -Governance sowie Big-Data-Sicherheit.“Weitere zentrale Studienergebnisse sind:- Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) berichtet, dass permanent Big-Data-Projekte laufen und zwar entweder auf Unternehmens- oder auf Abteilungsebene.
www.prozess.de

Neben typischen Software-as-a-Service-Angeboten (SaaS) rund um Collaboration- und Communications-Funktionen werden die Anwender in den kommenden Jahren auch immer mehr klassische Business-Software aus der IT-Wolke beziehen. Analysten prognostizieren, dass die Umsätze im SaaS-Markt für Business Intelligence (BI), Customer Relationship Management (CRM), Enterprise Resource Management (ERP) und Human Resources (HR) deutlich zulegen werden.
www.it-zoom.de

Big Data Fokus ist die innere Binnenstruktur des Unternehmens

Auffällig dabei ist, dass sich die deutsche Big-Data Kommunikation hauptsächlich auf die nach innen gerichtete Verwendung von eigenen Daten konzentriert. Kaum ein Artikel beschäftigt sich mit der Auswertung und Verarbeitung von externen bzw. öffentlichten Daten wie zum Beispiel Geo-Daten oder der Auswertung öffentlicher Kommunikationen. Genausowenig wird die Kombination von externen und internen Daten zur Optimierung von Prozessen, Kundenbindung oder Produktentwicklung thematisiert.
Dies mag Ursächlich mit dem dritten Trend zusammenhängen.

Deutschland liegt in digitalen Trends, z. B. Digitale Transformation und Big Data zurück

Die Diskussion über den Zustand der digitalen Entwicklung in Deutschland hält an. Nicht nur im Kontext von Industrie 4.0 und digitaler Transformation, auch beim Thema Big Data werden in Deutschland Defizite angesprochen.

 Social Media und Big Data stellen einen Angriff auf Geschäftsmodelle, Vertriebskonzepte, Marketing, Kommunikation, Service sowie Marktforschung dar und verändern die Art und Weise, wie Unternehmen mit Kunden und auf Märkten interagieren, radikal. Im Interview mit Springer für Professionals warnen Ralf T. Kreutzer und Karl-Heinz Land: „Die Unternehmen in Deutschland sind meist sehr schlecht auf die digitale Revolution vorbereitet.“
pressnetwork.de

Zwei Gründe spielen hier mit eine Rolle, zum einen der Datenschutz, der Unternehmen nicht nur dazu veranlässt, sich auf ihre eigenen Daten zu konzentrieren, sondern auch bestimmte Big Data orientierte Geschäftsmodelle in Deutschland unmöglich macht.

 Weil in den USA die legalen und infrastrukturellen Voraussetzungen deutlich besser sind als in Deutschland, expandierte das Startup bereits im vergangenen Jahr in die USA. Mittlerweile bieten Lorenz und sein Team den Dienst ausschließlich in den Vereinigten Staaten an. „Die USA ist der attraktivere Markt, da Reglementierungen und Monetarisierungsmöglichkeiten von ärztlichen Leistungen wesentlich offener sind.
t3n.de

Zum anderen wird in Deutschland immer noch von anderen Fördersummen und Investitionen gesprochen, als z. B. in den USA oder anderen Ländern.

Mit dem Technologieprogramm »Smart Data – Innovationen aus Daten« fördert das BMWi von 2014 bis 2018 insgesamt 13 Leuchtturmprojekte, die den zukünftigen Markt von Big-Data-Technologien für die deutsche Wirtschaft erschließen sollen, mit rund 30 Millionen Euro. Die beteiligten Unternehmen und Organisationen bringen weitere 25 Millionen Euro auf, so dass das Programm über ein Gesamtvolumen von etwa 55 Millionen Euro verfügt.
ap-verlag.de

Informatica investierte über zwei Milliarden US-Dollar, unter anderem in Forschung und Entwicklung sowie Akquisitionen, um Innovationen im Bereich Data Management bereitzustellen. Bei der Informatica World 2016 stellte Informatica einige neue Innovationen vor, darunter Informatica Marketing Data Lake , Informatica Cloud – Summer 2016 Release, die neueste Informatica Platform Release und vieles mehr.
0eurohandys.de

Zusammenfassung

In Deutschland scheint aktuell der primäre Trend zu sein, dass große IT-Anbieter (SAP, Intel, Cisco, Oracle etc.) ihr Geschäftsmodell anpassen und sich über ein noch nicht näher zu bezifferndes Mehrwertversprechen mittels Big Data Analysen als Datenverwerter und Prozessoptimierer für Unternehmen anbieten. Das Risiko ist hierbei, das Unternehmen, die ihre Daten erstmal einem Anbieter übergeben haben, so schnell nicht wechseln werden, egal wie mehrwertig die Analyseergebnisse dann sein werden. Zudem stellt sich gerade bei amerikanischen Anbietern die Frage des Datenschutzes. Werden die Datenmanager von heute einen ähnliche Hohheit über Geschäftsprozesse haben, wie Facebook sie heute über Teile der privaten sozialen Kommunikation hat?

Die zwanzig Jahre fehlende Erfahrung der deutschen Industrie in digitalen Fragen zeigt jetzt vielleicht ihre nachteilige Wirkung. Mangels eigener intern Expertise sind Manager auf externe Beratung angewiesen.

 Während die untersuchten IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen im Jahr 2015 ihre Umsätze um 9,1 Prozent steigern konnten, sind die IT-Service-Unternehmen nur um 2,7 Prozent gewachsen. »Das starke Wachstum der IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen resultiert vor allem aus der hohen Nachfrage der Kunden nach externer Unterstützung bei digitalen Transformationsprojekten.
ap-verlag.de

Zudem stellt sich die Frage, ob die Konzentration auf interne Daten das Gold birgt, was den Daten heute im Volksmund zugesprochen wird. Ob Big Data in Deutschland zu einem großen Ding werden kann oder nur ein Sturm im Wasserglas beliebt, lässt sich jetzt allerdings noch nicht sagen, sonder muss sich in den nächsten Jahren zeigen. Unsere beiden Personas werden das Thema jedenfalls im Auge behalten und es wird sich zeigen, wohin sich die aktuellen thematischen Schwerpunkte in einem halben Jahr entwickelt haben werden.

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Um Ihnen einen inhaltlichen Überblick über das Thema Big Data in Deutschland zu geben, haben wir Ihnen die wichtigsten Beiträge aus dem Blickwinkel der beiden Personas in einer redaktionell noch nicht bearbeiteten Rohform als „Tischvorlage“ [PDF] zusammengefasst.

 

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